Lesetipp: Themsen, Verena, "An Arkons Wurzeln"

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Gestern habe ich den Roman "An Arkons Wurzeln" von Verena Themsen gelesen, Perry Rhodan Band 2744. Und war äußerst angetan. So angetan, dass es mich drängt, eine kleine Anmerkung dazu zu schreiben.

Verena Themsen ist eine relativ neue Autorin im Team der PR-Autorin; bisher war sie mir, ehrlich gesagt, nicht aufgefallen. Was an mir liegen kann, zugegeben, und sich auf jeden Fall mit der gestrigen Lektüre geändert hat.

Auf den ersten Blick und der Beschreibung nach hatte ich mit einem dieser Romane gerechnet, in denen es halt hin und her handelt, damit die Seiten gefüllt sind, wobei irgendwo ein für die weitere Serienhandlung wichtiges Detail eingebettet wird. Im Prinzip war das auch so – aber was die Autorin daraus gemacht hat! Einmal mehr kann man an diesem "Heftlesroman" sehen, dass es für den Lesegenuss nicht nur darauf ankommt, was jemand erzählt, sondern vor allem, wie es erzählt wird.

Der Roman spielt auf Arkon und handelt von einigen der letzten Arkoniden, die auf Geheiß des atopischen Richters ihr Heimatsystem räumen müssen. Was sie, verständlicherweise, ungern tun, weswegen sie nun dazu gezwungen werden. Außerdem stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, dass hinter dem Räumungsbefehl womöglich mehr stecken könnte, als es zunächst den Anschein hatte.

Das könnte man ziemlich dröge erzählen, und vergleichbare Episoden sind in der langen Geschichte der Serie auch schon oft ziemlich dröge erzählt worden. Doch nicht hier. Verena Themsen schildert die Welt der Arkoniden, mit ihrem hochkomplizierten Adelssystem und ihrem Stolz auf ihre lange, wechselvolle Geschichte, äußerst detailreich, geradezu liebevoll, und vor allem – das ist es, was mir so gefällt – großartig unaufdringlich. Da kommt nichts in plumpem "Ich erzähl euch jetzt mal was"-Ton daher, da wirkt nichts wie aus einem (in diesem Fall: imaginären) Reiseführer abgeschrieben, sondern all die vielen, vielen Details (auch über die Welt der Naat, übrigens) sind kunstvoll in die Handlung verwoben, werden so nebenbei eingeflochten, dass man es kaum merkt beim Lesen: genau so, wie es sein soll! Die Figuren, die, so vermute ich, wohl zu einem großen Teil durch das Exposé vorgegeben wurden, werden richtig lebendig, folgen ihren spezifischen Ängsten, Animositäten und Ambitionen, sind sich mitunter selbst ein Rätsel oder wissen nicht, wie ihnen geschieht: Das ist alles sehr faszinierend zu lesen. Gerade bei phantastischer Literatur ist es wichtig, dass die Figuren und die Welten, in denen sie sich bewegen, so real und greifbar, so "wirklich" wie nur möglich erscheinen, und das ist in diesem Fall hervorragend gelungen.

Chapeau, werte Kollegin!

(Anmerkung: Da die reitenden Kuriere mit dem jeweils neuesten Perry Rhodan-Band im Gepäck immer eine Weile brauchen, bis sie mich hier am Rand der Welt erreicht haben, dürfte dieses Heft schon aus dem Zeitschriftenhandel verschwunden und nur noch per Nachbestellung zu beziehen sein. Als eBook aber bleibt der Roman zeitlich unbegrenzt verfügbar.)